Meinung

Sind Influencer gute Vorbilder oder mehr "Schein als sein"?

Antje Wolf-Leichsenring, 16 Februar 2021

Geht uns durch die geschönten Beiträge in den sozialen Medien der Bezug zur Realität verloren?

Seit Instagram am 06. Oktober 2010 online ging, ist die Nutzerzahl laut Angaben von Futurebizz mittlerweile auf über 1 Milliarde herangewachsen - 21 Millionen Nutzer*innen davon in Deutschland. Lassen Sie sich diese Zahl auf der Zunge zergehen: 21 Millionen! Das bedeutet tagtäglich Unmengen an neuen Fotos, Information und Stories, die von den Nutzer*innen hochgeladen werden. Dieses Potenzial blieb natürlich nicht ungenutzt.

Influencer als Wirtschaftsfaktor

Warum also nicht das eine mit dem anderen verknüpfen und sich gegenseitig von Nutzen sein: Influencer*innen (engl. to influence: beeinflussen - Personen, die durch einen hohen Bekanntheitsgrad in den sozialen Medien ihre Meinung präsentieren, dadurch Trends setzen und eine Vielzahl an Menschen erreichen) platzieren Produkte gezielt in ihrem digitalen Alltag. Wer damit erfolgreich ist, kann sich so sehr gut seine Brötchen verdienen im Rahmen von Kooperationen mit verschiedensten Unternehmen. Ziel ist natürlich immer, die Verkaufszahlen nach oben zu treiben sowie die jeweilige Zielgruppe, sprich die Abonnent*innen, zum Einkaufen zu animieren.

Durch die Instagram-Funktion “Shopping” wurde es Unternehmen - hierzu zählen auch Influencer*innen - ermöglicht, ihre Produkte noch einfacher zu bewerben mit direkten Verlinkungen zu den jeweiligen Onlineshops. Diverse Rabattaktionen, welche die Influencer*innen “speziell” für Ihre Follower einrichten konnten, verlocken on top zum Kauf von Dingen.

Laut dem Facebook Anzeigenmanager können 21 Mio. Menschen über Instagram-Anzeigen in Deutschland erreicht werden. 21 Mio. Menschen vs. einer schier endlosen Themenliste für Instagram-Content und Werbung, die täglich mehr oder weniger durch diverse Filter aufgehübscht ins Netz gestellt werden. Angefangen bei Lifestyle, Ernährung und Gesundheit, über Kunst bis hin zu Fitness, Fashion, Technik, Design etc.

Infografik: Influencer: Milliardenschwerer Werbemarkt | Statista

Datenquelle: Statista Infografik zum weltweiten Influencer-Markt, 2020

#mentalhealth - Beeinflussung der Selbstwahrnehmung

Diese Marketingstrategie birgt natürlich auch gewisse Risiken - mehr für die Nutzer*innen als für die Unternehmen. Nicht nur die eingebauten Verlinkungen zu teils unsicheren Webseiten halten Gefahren für Ihre Internetsicherheit parat. Hier empfiehlt sich immer ein Blick in die Cookie-Einstellungen des Anbieters als auch ein entsprechender Schutz für Ihre internetfähigen Geräte.  Auch die Werbung selbst - die ja stets das Ziel hat, ein Produkt bestmöglich dastehen zu lassen - beinhaltet ein gewisses Gefahrenpotential in Hinblick auf die eigene Selbstwahrnehmung. 

Dass die vermeintlichen Momentaufnahmen aus dem Alltag der Influencer*innen, die wir in unzähligen Instagram-Stories und Posts sehen können, da einerseits nur ein kleiner Ausschnitt aus der realen Welt sind und zum anderen nicht zufällig online landen - sondern ganz im Gegenteil gezielt ausgewählt, bearbeitet und mit durchdachten #Hashtags versehen wurden, gerät dann schnell in Vergessenheit.

Was für Erwachsene hier und da schon schwer ist zu differenzieren, wird für Kinder und Jugendliche eine zunehmende Herausforderung. Instagram-Filter verändern in Nullkommanichts die eigene Erscheinung und man taucht ab in eine digitale Welt.

Durch diese Entwicklung wurde wiederum eine neue Bewegung ins Leben gerufen und eine wachsende Zahl an Influencer*innen sprechen bereits gezielt in Ihren Posts an, was beispielsweise ein Filter mit Ihrem Gesicht macht oder wie dieser Ihr tatsächliches Aussehen verändert. Hervorgehoben wird diese Botschaft mit Hashtags wie beispielsweise #selflove oder #bodypositivy um wieder mehr Augenmerk auf die eigene Selbstwahrnehmung und das Körperbewusstsein zu lenken.

#nofilterchallenge

Danae Mercer, Gesundheits- & Reisejournalistin, zeigt auf Ihrem Instagram-Account @danaemercer die Realität vs. Instagram auf, indem sie mit positiver Ausstrahlungskraft und einer unterhaltsamen Portion Humor ihren Körper ins ungefilterte Licht rückt und uns dadurch unverblümt vor Augen hält, wie sehr Posing, die Nutzung von Licht und Schatten, diverse Bildbearbeitungsprogramme sowie nicht zuletzt der Instagram-Filter eine digitale Welt schaffen, mit sehr fragwürdigen Beauty-Standards. Haben Sie schon mal einen Instagram-Filter selbst ausprobiert? Es ist faszinierend, wie ein Filter die Gesichtszüge verändern kann und man zu einer anderen Person wird. Ein paar Beispiele hat die Influencerin in ihrer #nofilter-Challenge gesammelt.

Bild-Quelle: https://www.instagram.com/_dotpigeon/

Influencer als Inspiration -  nicht nur im Lockdown

Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten und der digitalen Welt nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken - nicht nur in einer solch herausfordernden Zeit, in der wir uns aktuell befinden. So nimmt uns @fraui_ zusammen mit ihren drei Fellknäueln mit auf ihre Reise zu mehr Selbstachtsamkeit. Sie zeigt uns, wie man mit kleinen, täglichen Routinen sich selbst und dem eigenen Wohlbefinden Gutes tun kann.

Warum nicht eine kleine Guten-Morgen-Routine für einen entspannten Start in den Tag in den Alltag einbauen, anstatt im Homeoffice kaum aus dem Bett raus noch im Pyjama gähnend die ersten Arbeits-E-Mails zu beantworten. Ein bisschen Stretching und Dehnen kann doch nicht schaden, oder? Und man muss wirklich kein alter Yogi-Hase sein, um den Tag mit einem kurzen Workout oder Energie-gebenden Yoga zusammen mit Mady Morrison zu starten. Die Berlinerin hat eine bunte Mischung an Videos zusammengestellt, die nicht nur im Lockdown für “Mindful Moments” sorgen.

Wer sich seine Ich-Zeit lieber etwas kreativer gestalten möchte statt zu schwitzen, der wird unter Garantie fündig bei den zahlreichen farbenfrohen DIY-Ideen vom Hafenmädchen, die sich ihren "Happy Place" auf dem Land mit viel Einfallsreichtum ganz nach ihren Wünschen gestaltet. Von A wie Apfelrezept über U wie Upcycling bis hin zu Z mit Ideen rund um das Zuhause finden sich allerlei Tipps & Tricks.

Aber auch die Naschkatzen unter uns kommen dank vieler küchenbegeisterter Blogger*innen wahrlich nicht zu kurz, ganz im Gegenteil! Von ketogener Ernährung hin zu cremigen Cupcakes - Sie haben förmlich die Qual der Wahl, was Ihrem Gaumen munden könnte. Der Backbube lässt uns mit seinen leckeren Kreationen regelmäßig das Wasser im Mund zusammenlaufen und die Lust den Quirl zu schwingen wächst enorm beim Scrollen durch seine köstliche Ideensammlung. Sicher hat jeder von uns Backbücher daheim im Küchenschrank stehen, aber so ein anschaulich erklärtes Rezept mit Schritt-für-Schritt-Anleitung und Fotos trägt doch viel zum Gelingen des Küchenzaubers bei und hilft gegen Langeweile im Lockdown. 

Bildquelle: https://www.instagram.com/backbube/

Und im Anschluss kann man es sich auf der Couch gemütlich machen mit einem Stück vom selbstgebackenen Kuchen und zusammen mit dem Fotografen Josiah William Gordon @josiahwg auf eine digitale Reise gehen.

Digital Detox - weniger ist mehr

Influencer*innen liefern viele Tipps und Tricks zu allen möglichen Lebensbereichen, aber bei Weitem ist nicht alles so, wie es im ersten Moment scheint. Denn egal was Influencer*innen posten - in Verbindung mit Werbung und Produktmarketing sind sie auch hier oft wieder vor die Herausforderung gestellt, ihre “Vorbildwirkung” gegenüber ihren Abonnent*innen mit wirtschaftlichen Aspekten, u.a. diversen Kooperationen, in Einklang zu bringen, zumindest wenn der Lebensunterhalt damit verdient wird.

Sie erinnern sich vielleicht an unseren Beitrag Gute digitale Vorsätze für 2021 und das angesprochene Thema “Digital Detox”? Vielleicht ist der “Clean February” ein guter Monat zum Selektieren, wem man folgt. 

Titelbild: Mateus Campus, Unsplash

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