Die Traumwohnung im Herzen Münchens... im Austausch für Ihre Daten

Natalia Vysotska, 12. März 2021 17:26:35 MEZ
Natalia Vysotska, 12. März 2021 17:26:35 MEZ

Wie Wohnungssuchende freiwillig ihre sensiblen Daten an vermeintliche Vermieter vermitteln.

München ist für viele ein begehrter Wohnort. Das ist auch kein Wunder, denn die Stadt hat eine Menge zu bieten. Jedoch hat die Traumstadt eine Schwierigkeit: Auf dem Wohnungsmarkt kann das Angebot die Nachfrage gar nicht decken. Münchner Mietpreise sind deshalb für viele unbezahlbar. Die Konkurrenz um gute Wohnangebote ist dementsprechend sehr groß. 

Als Abiturientin habe ich mir das Studium an der LMU in München zum Ziel gesetzt. Jedoch ist der Traum vom Leben in der für mich schönsten Stadt der Welt beinahe geplatzt. Sobald ich zum Studium zugelassen wurde, habe ich über die Online-Vermittlungsplattform "WG-Gesucht" meine Suche nach einer Wohngemeinschaft gestartet. Sehr schnell wurde mir klar, dass die Suche nach einem “anständigen Wohnort” etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als erwartet. Täglich musste ich dutzende Anbieter anschreiben. Dabei waren günstige Angebote weit entfernt von dem, was ich mir erträumt habe: Selbst winzige unmöblierte Zimmer am Stadtrand sind schwer zu bekommen. 

Zugleich erreichten mich vermehrt vermeintliche “Volltreffer”-Angebote: nigelnagelneue Wohnungen im Herzen Münchens zu einem unterdurchschnittlichen Preis. “Hmmm… klingt reizend”, dachte ich mir, wurde jedoch misstrauisch. Bei meinen zahlreichen Unterhaltungen mit vermeintlichen Vermietern und Mitbewohnern konnte ich eine bizarre Auffälligkeit feststellen: genauere Angaben zur Lage der Wohnung sowie Fotos davon würden sie mir ausschließlich per WhatsApp, Instagram oder Facebook zukommen lassen. Der WG-Gesucht-Messenger war für sie aus diversen und teilweise vorgegebenen Gründen keine Option. Als Mensch bin ich jedoch immer sehr vorsichtig, denn man weiß nie, wer hinter diesem attraktiven Wohnangebot in Wirklichkeit steckt. In allen Fällen bestand ich auf der Unterhaltung via WG-Gesucht. Dies hat die allermeisten solcher Konversationen zum Ende gebracht. 

Nun stellt sich für viele wahrscheinlich die Frage, was es mit dem Ganzen auf sich hat und weshalb man überhaupt Bedenken dabei haben sollte, seine Handynummer oder Social-Media-Profile mit Fremden zu teilen? Übertreibe ich vielleicht mit meiner übervorsichtigen Art? 

Denken Sie für einen kurzen Moment an alle Abonnements, Social-Media-Plattformen oder Konten, mit welchen Ihre Nummer verknüpft ist. Hat ein fremder Mensch Ihre Nummer - so hat er einen vereinfachten Zugriff zu vielen persönlichen Profilen von Ihnen. Ein vermeintlicher Vermieter könnte Ihre Daten zudem illegal an ein Call Center verkaufen, weshalb Sie sich über Anrufe beziehungsweise Spam-SMS nicht mehr wundern sollten. Für einen professionellen Hacker können Ihr Name und die Telefonnummer viele Angriffsmöglichkeiten eröffnen.

Tipps für die sichere Online-Wohnungs- und -WG-Suche

Um nicht zum Opfer der Cyberkriminellen zu fallen, achten Sie daher auf die Glaubwürdigkeit des jeweiligen Wohnungsangebots. Sollten die vermeintlichen (Ver-)Mieter keine Fotos vom Zimmer oder der Wohnung hochgeladen habe, so ist eine solche Anzeige häufig nicht ernst zu nehmen. Sollte der Inserent die Adresse angegeben haben, so prüfen Sie diese am besten in Google Maps. Manchmal befindet sich dort ein Unternehmen, was Ihnen ebenfalls verrät, dass dies ein Fake-Angebot ist. 

Gesunde Skepsis ist ebenso angebracht, wenn der Mietzins deutlich unterhalb des üblichen Marktpreises für die jeweilige Lage liegt. Es könnte sich um ein “Lockangebot” handeln, das zu gut um wahr zu sein ist. 

Sollte der Anbieter sich ausschließlich außerhalb der Wohnung zum “Kennenlernen” treffen wollen, so lehnen Sie ein solches Angebot ebenfalls ab. Teilen Sie Ihre persönlichen Daten, wie den vollständigen Namen sowie Ihre Handynummer ausschließlich mit glaubwürdigen Personen, die Ihnen bereits via WG-Gesucht die wichtigsten Angaben zum Angebot mitgeteilt haben. Verdächtige Angebote und Konversationen sollten Sie nicht einfach ignorieren oder lediglich blockieren, sondern an die Plattformbetreiber melden. So kann sichergestellt werden, dass andere Suchende nicht dem Betrüger zum Opfer fallen. 

Hier finden sich einige Beispiele für Konversationen über WG-Gesucht, bei denen die Anbieter darauf drängten, schnell über einen anderen Kanal zu kommunizieren und die private Handynummer zu erhalten:

 

Fazit

Es ist sehr typisch für Betrüger, die Notlage einiger Menschen auszunutzen. Wohnungsnot und die Bereitschaft der Wohnungssuchenden, für ein gutes Angebot zum Teil inakzeptable Bedingungen anzunehmen, bieten vermeintlichen Vermietern die Gelegenheit, ihre Machenschaften voranzutreiben. Bleiben Sie daher immer vorsichtig und übermitteln Sie Ihre Daten nur an vertrauenswürdige Dritte.

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