Interview

Das Avast-München-Team unterstützt die AETAS-Kinderstiftung

Antje Wolf-Leichsenring, 4 Dezember 2020

Über die Aktion "Together with employees" unterstützen wir die großartige Arbeit der Stiftung.

Seit nun schon über acht Jahren gibt es die Avast-Aktion "Together with Employees" in Zusammenarbeit mit der Avast Foundation. Es ist ein Spendenprojekt, bei dem wir Avastianer ein Herzensprojekt für eine einmalige Spende nominieren können. Dieses Jahr wurde diese Aktion erweitert: eine Team-Nominierung für eine gemeinnützige Organisation, in der wir uns in persona einbringen können. So können wir etwas Gutes tun und gleichzeitig unseren Teamspirit einsetzen. Wir, das Münchner Avast-Team, waren uns schnell einig, den Fokus auf unsere Stadt München zu legen. Mit dem gemeinsamen Wunsch Kinder und Jugendliche zu unterstützen sind wir auf die AETAS Kinderstiftung gestoßen. Ihre Arbeit und Unterstützung für Kinder und deren Familien ist so wichtig und großartig, dass unser Entschluss, die AETAS Kinderstiftung zu nominieren schnell feststand. Unser Herzenswunsch fand auch beim Auswahlgremium der Spendenaktion große Zustimmung und wir konnten - noch bevor COVID-19 das Top-Thema in Europa wurde - der AETAS Kinderstiftung die freudige Nachricht über die Spende überbringen. 

Kurze Zeit später befand sich Deutschland im Lockdown - gefühlt stand das soziale Leben still und die Straßen waren wie leergefegt. Eine beängstigende Stimmung breitete sich wie das Nichts aus Michael Endes “Die unendliche Geschichte” aus und wuchs stetig an mit jeder weiteren Nachricht über den Virus und leider auch viele traurige Meldungen über Verstorbene. Wir Erwachsenen hatten daran schon schwer zu schlucken - wie muss es da erst in unseren kleinen Menschen aussehen! Umso wichtiger wurde und ist die Hilfe der AETAS Kinderstiftung.

Da derzeit ein persönliches Helfen durch uns Avastianer nicht möglich ist, haben wir uns mit Mitarbeitern der AETAS Kinderstiftung virtuell zusammengesetzt, um Ihnen die Schwerpunkte der Stiftung näher zu bringen:

1. Avast Blog: Seit wann gibt es die AETAS Kinderstiftung und was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Wie haben Sie erkannt, dass es im Bereich „Krisenintervention” für Kinder und Jugendliche zu wenige Angebote und Anlaufstellen gibt?

Die AETAS Kinderstiftung wurde im November 2013 gegründet. Sie leistet professionelle Kinder-Krisenintervention. Das bedeutet, dass wir Kinder, Jugendliche, ihre Bezugspersonen und auch Fachkräfte nach einem einschneidenden Erlebnis, beispielsweise dem Suizid eines Elternteils, dem Bezeugen eines Unfalls oder dem Tod eines Geschwisterkindes, nach einem traumaspezifischen Ansatz beraten und begleiten. Schwerpunkte sind dabei die Akutbegleitung in den ersten zehn Tagen nach dem Ereignis und die Regelbegleitung in den darauffolgenden Wochen und Monaten.

Das Bestattungshaus AETAS Lebens- und Trauerkultur hatte von Beginn an einen Fokus auf „schwierige“ Sterbefälle – Tod eines Kindes, Suizide, Unfälle. Immer stärker fiel uns im Laufe der Zeit auf, wie oft bei diesen Sterbefällen Kinder als Hinterbliebene betroffen waren und wie gerne wir über den Sterbefall hinaus für sie da gewesen wären. Derweil lernten wir das Kinderprojekt von Tita Kern kennen, die 2007 ihr Konzept der Aufsuchenden Psychosozial-Systemischen Notfallversorgung (APSN) entwickelt hatte und dies für den Arbeiter-Samariter-Bund umsetzte. Als Tita Kern 2013 für ihr Projekt einen neuen Träger suchte, fanden zwei Suchende zusammen: die Geschäftsführung von AETAS Lebens- und Trauerkultur, die sich sozial engagieren wollte, und Tita Kern, die für ihr Projekt ein neues Zuhause brauchte. So kam es zur Gründung der AETAS Kinderstiftung.

2. Avast Blog: Gab es durch die Pandemie und den damit verbundenen Lockdown einen signifikanter Anstieg am Bedarf für Krisenintervention in diesem Bereich?

Das ist mit letzter Genauigkeit zurzeit noch schwer zu sagen. Wir haben in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Nachfrage und der Fälle, die wir begleiten dürfen, festgestellt. Gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales bieten wir auch ein spezielles Corona-Krisenhilfsangebot mit einer Hotline und Fachinformationen in verschiedenen Sprachen an.

Ob der Bedarfsanstieg bei uns in der Stiftung nun der Belastung durch die Corona-Pandemie oder anderen Faktoren zuzuschreiben ist, werden wir vermutlich erst in einigen Monaten bei der Jahresauswertung sagen können. Es gibt aber mittlerweile eine Reihe wissenschaftlicher Studien aus Asien und auch aus dem europäischen Raum, die eine deutliche Zunahme an psychischer Belastung und auch Gewalt im Zusammenhang mit der Corona-Situation nachweisen können. 

3. Avast Blog: Auf welchem Weg kommen traumabelastete Kinder und Jugendliche auf Sie zu? Wie würde z.B. ein “typischer” Fall aussehen, bei dem Sie unterstützen?

In der überwiegenden Zahl der Fälle sind es die Eltern, die den Kontakt zur AETAS Kinderstiftung aufnehmen. Dabei haben viele von ihnen selbst recherchiert, meist im Internet. Einige haben auch Empfehlungen von Einsatzkräften, der Notfallseelsorge oder Kriseninterventionsdiensten bekommen, die uns als Ansprechpartner nennen. Auch Fachkräfte (wie bspw. Erzieher*innen) wenden sich oft an uns, sowohl mit eigenem Beratungsbedarf als auch, um für betroffene Familien um Rat zu fragen.

Ein beispielhafter Fall ist der Suizid eines Elternteils.

4. Avast Blog: In Ihren Info-Materialien sprechen Sie von innerhalb von 24-Stunden-Einsätzen (Akuthilfe). Inwieweit beeinflusst hier die Pandemie Ihre Arbeitsweise?

Die Pandemie hat unsere Arbeitsweise vor allem dahingehend verändert, dass wir nicht mehr so einfach aufsuchend arbeiten können – obwohl gerade dies ein Kernmerkmal unseres Konzepts ist. Das ändert nichts daran, dass wir unsere Zusage, innerhalb von 24 Stunden, spätestens am nächsten Werktag, einen Erstkontakt herzustellen, weiterhin versuchen einzuhalten. Nur findet dieser Kontakt nun per Video oder Telefon statt. In wichtigen Einzelfällen können wir natürlich weiterhin aufsuchend arbeiten. Dann müssen wir je nach Situation auf persönliche Schutzausrüstung zurückgreifen. Leider machen Dinge wie Maske, Kittel, Brille oder Handschuhe den Kontakt von Mensch zu Mensch in diesen besonderen Situationen nicht einfacher.

5. Avast Blog: Wie viele Mitarbeiter haben Sie und wie stellt sich Ihr Team zusammen? Wie kann man sich ehrenamtlich in der Kinder- und Jugend-Krisenintervention engagieren?

Derzeit arbeiten für die AETAS Kinderstiftung neun festangestellte Mitarbeiter*innen und zehn Honorarkräfte. Die Mitarbeitenden im fachlichen Bereich sind in der Regel studierte Sozialpädagog*innen und Psycholog*innen mit einer Zusatzausbildung zur/zum Traumafachberater*in. Bei Veranstaltungen werden wir von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt, auch wenn diese Veranstaltungen 2020 größtenteils leider auch nur über Video stattfinden konnten.

6. Avast Blog: Was sind Ihre größten Herausforderungen?

Es ist eine große Herausforderung, unsere Arbeit zu finanzieren. Da unsere Angebote für Betroffene kostenlos sind, sind wir auf Spenden und Förderungen aus öffentlicher Hand angewiesen. Deshalb ist für uns neben der fachlichen Besonderheit unserer Arbeit die Finanzierung die größte Herausforderung.

7. Avast Blog: Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?

Wir möchten mit der AETAS Kinderstiftung so vielen Kindern und Jugendlichen nach traumatischen Erlebnissen beistehen wie möglich. Langfristig ist es deshalb unser Bestreben, weiter zu wachsen und in ganz Bayern aktiv sein zu können. Auf einen kürzeren Zeitraum betrachtet steht für uns aber zunächst im Fokus, unsere Finanzierung sicherzustellen, um unsere Arbeit in der bisherigen Form weiter leisten zu können.

8. Avast Blog: Wie groß ist Ihr Einsatzbereich?

Die AETAS Kinderstiftung ist im Großraum München aktiv, in Einzelfällen auch darüber hinaus.

9. Avast Blog: Arbeiten Sie mit anderen Organisationen, Kinderärzten, Polizei etc. zusammen? Wie geben Sie Ihr Wissen weiter?

In besonderen Gefährdungszeiträumen und für besondere Lagen wie bspw. Anschläge oder große Unglücksfälle mit betroffenen Kindern/Jugendlichen ist die Kinder-KrisenIntervention der AETAS Kinderstiftung im Alarmplan des KIT Münchens als unterstützende Sondereinheit installiert und diesem unterstellt. Das Team der AETAS Kinderstiftung wird dann in Absprache mit dem KIT München an den jeweiligen Krisenorten in der akuten Krisenintervention speziell für Kinder und Jugendliche aktiv. Aber auch im Alltag ist die Zusammenarbeit mit Einsatzkräften aus Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr ein besonders wichtiger Teil unserer Arbeit.

Für Tita Kern und Simon Finkeldei, die fachliche Leitung der Stiftung, waren seit jeher der wissenschaftliche Austausch und die Vernetzung ein fester Bestandteil ihrer Arbeit. Das wissenschaftliche Konzept der AETAS Kinderstiftung ist in Fachkreisen gefragt. Immer wieder stellen Tita Kern und Simon Finkeldei den besonderen und deutschlandweit einzigartigen Frühinterventionsansatz in Vorträgen, Seminaren und Konferenzbeiträgen vor.

10. Avast Blog: Bieten Sie einen Bereitschaftsdienst oder ein Notfalltelefon an? Kann jemand im Bedarfsfall schnell vor Ort sein?

Einen Bereitschafts-/Notfalldienst in dem Sinne, dass Mitarbeitende der AETAS Kinderstiftung zu akuten Notfällen mit Blaulicht ausrücken, gibt es nicht. (Eine Ausnahme sind Großschadenslagen wie der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum 2016.) Dies fällt in die Zuständigkeit der Rettungsdienste. Für die Akutbegleitungen gibt es eine Bereitschaft, bei der sie in den ersten zehn Tagen in Notfällen rund um die Uhr telefonischen Rat bekommen oder bei Bedarf auch persönlich Kontakt haben können.

11. Avast Blog: Gibt es etwas, dass Sie betroffenen Kindern & Jugendlichen mit auf den Weg geben möchten?

Unsere fachliche Leiterin Tita Kern, die über die Jahre zahllose Kinder in erschütternden Situationen begleitet hat, hat eine feste Überzeugung:

„In den vielen Jahren meiner Arbeit mit traumabelasteten Kindern habe ich immer wieder erlebt, dass es etwas in diesen Kindern gibt, das bei all dem Schmerz und Leid heil bleibt. Etwas, das nicht überschattet wird und von dem Heilung ausgehen kann.“

Ein wichtiger und ermutigender Gedanke, wie wir finden.

 

"Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel", sagte der englische Schriftsteller Leigh Hunt - oft türmen sich viel zu viele Geschenke unter dem Baum und der Weihnachtsgedanke gerät dadurch in Vergessenheit. Viel wichtiger ist die gemeinsame Zeit im Kreise von lieben Freunden und der Familie. Vielleicht verwandelt sich das eine oder andere Geschenk dieses Jahr in eine Spende für die AETAS Kinderstiftung, um den Kindern zu helfen die einen traurigen Verlust erlitten haben. Kinder sind unserer Zukunft und in dieser Zukunft sollten Kinder (wieder) lachen können. 

"Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war." (Astrid Lindgren)

Auf unserer Webseite finden Sie gerne weitere Informationen zu Avast und der Avast Foundation:

Titelbild: Pixabay

Interessiert an mehr News von uns? Folgen Sie uns auf Facebook & auf Twitter!