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Haben Sie Eltern im Rentneralter? Klären Sie sie über die „Großelternbetrugsmasche” auf!

Constantin von Pander, 21 Oktober 2015

Haben Sie Eltern im Rentneralter? Klären Sie sie über die „Großelternbetrugsmasche” auf!

Betrüger bestehlen ältere Opfer um schätzungsweise drei Milliarden US-Dollar pro Jahr

Mindestens seit dem Jahr 2008 befindet sich eine Betrugsmasche im Umlauf, dessen Zielgruppe Senioren sind. Der 74-jährige Avast-Evangelist, Bob Gostischa - erfahren im Umgang mit Scams, Sicherheit und Datenschutz - erhielt erst gestern einen Anruf eines Betrügers der es auf sein Geld abgesehen hatte. „Wenn mir so etwas passiert, geschieht es ganz bestimmt auch anderen”, sagte Gostischa.

 

Scammer haben es auf ältere Menschen abgesehen „weil sie viel leichtgläubiger sind” Betrüger haben es auf ältere Menschen abgesehen „weil sie viel leichtgläubiger sind”

 

Hier das häufigste Vorgehen:

Jemand meldet sich telefonisch oder per E-Mail und behauptet er sei Ihr Enkelkind. Die klassische Geschichte besteht dann darin, dass das vermeintliche Enkelkind unschuldig eingesperrt wurde und dringend Kautionsgeld benötigt. Eine andere beliebte Variante erzählt, dass sich ein Verwandter auf einer Reise befindet und überfallen wurde oder einen Unfall hatte und schwer verletzt ist. Nach ausführlicher Erläuterung dieser rührenden, jedoch an den Haaren herbeigezogenen Geschichte, bittet der Betrüger um Geld, zu transferieren über Dienste wie Western Union oder MoneyGram.

Nach dem Anruf des Betrügers schickte uns Bob ein Protokoll, damit wir es mit unseren Lesern teilen können. „Ich denke ich kann mich glücklich schätzen, denn meine erste instinktive Reaktion war wow, wie kann ich ihr helfen…”, erzählt Bob. „Ich glaube, wir alle müssen zu jeder Zeit wirklich sehr wachsam sein”

Anrufer: Hallo Großvater, hier spricht Deine Enkelin. Ich habe eine Kehlkopfentzündung, drum klinge ich nicht wie immer.

Bob: Das bist Du mit Sicherheit nicht. Welche Enkelin?

Anrufer: Was meinst Du?

Bob: Naja, ich habe mehrere.

Anrufer: Deine Älteste.

Bob: Oh, OK (Verdächtig, weil sie nicht Ihren Namen gesagt hat.) Ist alles OK?

Caller: No.

Bob: Was ist los?

Anrufer: Ich hatte einen Freund bei den Niagara-Fällen auf meiner Heimfahrt besucht. Ich war in einen Autounfall verwickelt.

Bob: Geht es Dir gut?

Anrufer: Ja, es geht allen gut.

Bob: Und das Auto?

Anrufer: Das Auto hat keinen Schaden. Diese Frau kam plötzlich aus dem Nichts, ich hatte sie erwischt, aber sie ist OK.

Bob: Gott sei Dank.

Anrufer: Ja, aber als die Polizei kam, hatten sie gefragt, ob ich etwas getrunken habe. Ich habe nein gesagt, weil ich Medikamente gegen die Kehlkopfentzündung nehme. Ich konnte dann keinen Test mit dem Alkomat machen und musste die Nacht im Gefängnis verbringen.

Bob: Haben sie Dir einen Anwalt zur Verfügung gestellt?

Anrufer: Ja, aber ich brauche Kautionsgeld. Kannst Du mir 500 US-Dollar über Western Union schicken?

Bob: Das wird schwierig. Wir mussten gerade einige Arztrechnungen bezahlen, darum müssen wir gerade den Gürtel enger schnallen.

Anrufer: Bitte Opa, kannst Du es nicht über Deine Kreditkarte buchen?

Bob: Tut mir Leid, aber die ist am Limit.

Anrufer: Bitte Opa, ich will nicht im Gefängnis bleiben!

Bob: Tut mir Leid Liebling, aber ich kann wirklich nicht und hab kein Geld, das ich Dir schicken könnte.

Anrufer: (Klick … sie hat aufgelegt)

„In meinem Fall fährt meine älteste Enkelin kein Auto und sie wäre auch nie zu den Niagara-Fällen gefahrenberichtet Gostischa. „Es passiert sehr leicht, auf einen derartigen Scam hereinzufallen, weil jeder von uns seiner Familie helfen will - insbesondere seinen Enkelkindern.”

Im letzten Jahr hatte CBS News einen ehemaligen Betrüger interviewt, der solche Spielchen getrieben hatte. Er sagte, dass er an guten Tagen mit der Großelternbetrugsmasche 10.000 US-Dollar verdienen konnte. „Wir hatten es vor allem auf Personen über 65 abgesehen, vor allem weil sie leichtgläubiger sind”, erzählte der ehemalige Betrüger. „Diese Leute sind zu Hause. Sie sind leichter zu erreichen. Sobald man sie emotional um die Nase gewickelt hat, machen die im Prinzip alles für Dich.”

Wie Sie sich selbst vor der Großelternbetrugsmasche schützen können:

Der Internetkriminalitätsbeschwerdecenter des FBIs (IC3) macht folgende Vorschläge:

  • Widerstehen Sie dem Druck, schnell zu handeln
  • Versuchen Sie, Ihr Enkelkind oder ein anderes Familienmitglied zu erreichen, um festzustellen ob der Anruf echt ist
  • Überweisen Sie niemals Geld basierend auf einer telefonischen Anfrage oder per E-Mail… insbesondere nicht ins Ausland. Geld zu transferieren ist vergleichbar mit der Übergabe von Bargeld - einmal abgeschickt lässt es sich nicht mehr zurücknehmen.

Wie Sie handeln sollten, wenn Sie ein Opfer sind:

  • Kontaktieren Sie die lokalen Behörden oder Verbraucherschutzverbände. Hier finden Sie eine Übersicht zu den deutschen Verbraucherzentralen, deren Kontaktdaten sind auf den jeweiligen Webseiten unter “Kontakt” angeführt.
  • Erstatten Sie eine Anzeige bei der Polizei, die möglicherweise den Fall an staatliche, lokale oder internationale Rechtsbehörden für mögliche Ermittlungen weiterleitet.