Datenschutz & Privatsphäre

Was weiß Noom über Sie?

Emma McGowan, 4 Mai 2021

Lohnt sich die Noom-App zum Abnehmen im Hinblick auf Datenschutz und Privatsphäre?

Noom ist eine Abnehm-App aus den USA, die verspricht Personal Trainer, Ernährungsberater und Gesundheitscoach in einem zu sein. Bei dem Noom-Konzept geht es nicht nur ums Kalorienzählen, sondern es ist auch auf den psychologischen Aspekten einer gesunden Lebensweise basiert. Benutzer*innen lernen, wie sie sich gesünder ernähren und mehr bewegen – das hört sich zunächst einmal gut an.

Ich selbst habe Noom noch nicht getestet, bin aber neugierig. Deshalb gehe ich den Beitrag zu "Was weiß das Internet über mich?" diese Woche etwas anders an. Ausnahmsweise betrachte ich keinen Dienst, den ich bereits nutze (und der meine Daten daher schon kennt). Stattdessen prüfe ich eine App, die ich mir näher ansehe, bevor ich sie herunterlade. Ich mache mir proaktiv Gedanken um den Schutz meiner persönlichen Daten! 

Welche Daten erfasst Noom?

Noom erfasst drei Hauptkategorien von Daten: personenbezogene Daten, Gesundheitsdaten und Daten zu Ihrem Gerät/ Mobilfunknetzwerk. 

Personenbezogene Daten

  • Vor- und Nachname
  • Persönliches Profil
  • E-Mail-Adresse
  • Adresse
  • Telefonnummer
  • Benutzername und Passwort

Gesundheitsdaten

  • Größe
  • Gewicht
  • Blutdruck (falls angegeben)
  • Blutzucker (falls angegeben)
  • Biometrische Daten
  • Fitnessniveau
  • Ernährung 
  • Bewegung (über die Health-App oder eine andere Drittanbieter-App)
  • Verbrauchte Kalorien

Daten zum Gerät/ Mobilfunknetzwerk

  • IP-Adresse
  • Browser
  • Betriebssystem
  • Hardware
  • Daten zum Mobilfunknetzwerk
  • URL, die einen Benutzer auf Noom verwiesen hat
  • Seiten/Bereiche, die in der App und auf der Website besucht wurden
  • Gerätestandort
  • Cookies
  • Anmeldungen von Drittanbietern

Was macht Noom mit Ihren Daten?

In allererster Linie verwendet Noom Ihre Daten, um Ihnen beim Abnehmen zu helfen. Anhand der übermittelten Daten werden Ihre Ernährung, der Fortschritt Ihrer Gewichtsabnahme und Ihre Fitnessziele analysiert. 

Wie so viele Unternehmen, die wir in dieser Reihe betrachtet haben, nutzt Noom Ihre Daten aber auch für andere Zwecke. Die Datenschutzrichtlinie von Noom steckt leider voller Juristenjargon und widersprüchlich anmutenden Aussagen. Der Durchschnittsanwender dürfte beim Lesen keinen großen Durchblick bekommen.

Tracking

Zum Beispiel heißt es: "Zusätzlich zu den personenbezogenen oder anderen Informationen, die der Benutzer Noom, Inc. über Nooms Webseite bereitstellt, können Noom, Inc. und Nooms Drittanbieter verschiedene Technologien einsetzen, die automatisch (oder passiv) bestimmte Informationen erfassen oder speichern, wenn der Benutzer die Website besucht oder mit ihr interagiert (Nutzungsinformationen)."

Ein weiterer interessanter Satz findet sich im nächsten Paragraphen: „Ferner können Drittparteien Tracking-Technologien mit Nooms Webseite benutzen. Diese Tracking-Technologien werden nicht von Noom kontrolliert und Noom ist nicht für sie verantwortlich. Der Benutzer erklärt jedoch sein Einverständnis, möglicherweise in Verbindung mit der Nutzung von Nooms Website, mobilen App und Serviceleistungen auf Tracking-Technologien von Drittparteien zu stoßen, und akzeptiert, dass Nooms Erklärungen gemäß dieser Datenschutzrichtlinie nicht für die Tracking-Technologien bzw. Praktiken solcher Drittparteien gelten. Der Benutzer sollte die Websites der Drittparteien prüfen, um zu bestätigen, wie die Informationen des Benutzers erfasst und benutzt werden.“ Dieser Satz überträgt die Verantwortung von Datenschutz und Privatsphäre in Bezug auf das Zusammenspiel mit Drittanbietern vollkommen auf den User. 

Abschließend heißt es in der Datenschutzrichtlinie: „Noom, Inc. kann von Zeit zu Zeit die Informationen, die Noom, Inc. direkt vom Benutzer an der Website, mobilen App und über die Serviceleistungen erfasst, um externen Datensätze von Drittparteien zu verschiedenen Zwecken ergänzen, einschließlich um Nooms Fähigkeit, dem Benutzer zu dienen, zu verbessern, um Nooms Inhalt auf den Benutzer zuzuschneiden und dem Benutzer Gelegenheiten zu bieten, die für diesen von Interesse sein könnten.“ Auf gut Deutsch gesagt: Noom kann Informationen mit Daten-Aggregatoren austauschen, damit Ihnen mehr gezielte Werbung angezeigt wird.

Was bekommen Sie im Gegenzug für Ihre Daten? Was sind Ihre Vorteile? 

Im Gegenzug für ihre Daten und für einen Jahresbeitrag erhalten Benutzer*innen einen Zugriff auf Ernährungsverfolgung, Kalorienzähler, Tipps für gesunde Lebensführung und personalisierte „Coaches“, die sie beim Erreichen ihrer Gewichts- und Fitnessziele unterstützen. 

Ist es das wirklich wert? Manchen Menschen vielleicht schon. Die schwammige Datenschutzrichtlinie (die ganz nebenbei seit  Dezember 2018 nicht mehr aktualisiert wurde) plus die Tatsache, dass persönliche Daten der Benutzer*innen trotz Beitragszahlung für Werbezwecke und zur Weitergabe an Drittparteien verwendet werden, ergeben für mich ein klares „Nein, danke“. Fit sein und gesund leben ja, aber nicht mit Noom.

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